Die Impro-Prinzipien
Sieben kurze Sätze, an denen wir uns im Raum orientieren, und dahinter die zehn Prinzipien des Improvisationstheaters, verdichtet aus der Arbeit von Viola Spolin, Keith Johnstone und Del Close. Sie funktionieren auch außerhalb.
Zusammenfassung
Improvisationstheater folgt wenigen Grundregeln: Angebote annehmen und erweitern („Ja, und"), sich scheitern lassen, spezifisch statt lustig sein, die anderen gut aussehen lassen, präsent bleiben, dem eigenen Impuls folgen und Ideen loslassen. Dahinter stehen die Schulen von Viola Spolin (Theater Games), Keith Johnstone (Status, Spontaneität) und Del Close (Longform, Group Mind). Diese Prinzipien nutzt Ruben Schwerin an den offenen Abenden von Impro Hamburg und in Workshops für Unternehmen.
Sieben Sätze, an denen wir uns orientieren
- 01
Ja, und
- 02
Lass dich scheitern
- 03
Sei spezifisch, nicht lustig
- 04
Lass die anderen gut aussehen
- 05
Sei präsent mit deinem Herzscheinwerfer
- 06
Folge deinem Impuls
- 07
Lass deine Ideen los
Worum es uns geht
Raum ohne Bewertung
Bei uns darf man scheitern, ausprobieren und sich neu kennenlernen, ohne Angst, bewertet zu werden.
Impro für alle
Introvertiert oder extrovertiert, Anfang 20 oder über 70, mit oder ohne Erfahrung: Jede und jeder ist willkommen.
Theater für dein Leben
Was wir auf der Bühne üben, hilft im Alltag: zuhören, Ideen annehmen, gelassener mit dem Unerwarteten umgehen.
Die zehn Prinzipien der Improvisation
Nicht historisch überliefert, sondern zusammengeführt aus den drei großen Linien des Improvisationstheaters. Die sieben Sätze oben sind die Kurzfassung davon für den Probenraum.
1. Sag Ja, und füge etwas hinzu
Akzeptiere die Realität, die dein Gegenüber etabliert, und bau darauf auf. „Yes, and" heißt weniger, jeder Aussage wörtlich zuzustimmen, als die gemeinsam entstandene Wirklichkeit nicht zu zerstören.
Nimm das Geschenk an und schenke etwas zurück.
2. Diene deinem Mitspieler, nicht deinem Ego
Versuche nicht, selbst brillant auszusehen. Sorge dafür, dass dein Gegenüber brillant aussieht. Daraus entstehen Vertrauen und Ensemblegeist.
Mach deinen Partner gut, und die Szene wird gut.
3. Hör zu, als hinge die Szene davon ab
Nicht während des Satzes des anderen schon die eigene Pointe vorbereiten. Wahrnehmen: Was wurde gesagt, was getan, welche Emotion ist entstanden, was hat sich verändert. Erst daraus ergibt sich der nächste Schritt.
Die nächste gute Idee ist meistens schon im Raum.
4. Spiel im Jetzt und plane nicht voraus
Improvisation entsteht genau deshalb, weil niemand weiß, was als Nächstes passiert. Echte Spontaneität ist ein Zustand, in dem auch die Spielenden das Ergebnis noch nicht kennen.
Entdecke die Szene, schreib sie nicht heimlich voraus.
5. Hab keine Angst vor Fehlern
Ein vermeintlicher Fehler kann sofort Bestandteil der Realität werden. Statt „das war falsch" lautet die Frage: Wenn das wahr ist, was bedeutet es dann?
Rechtfertige, statt zu reparieren.
6. Versuch nicht, lustig zu sein
Wer krampfhaft Pointen produziert, verlässt meistens die Beziehung und die Realität der Szene. Wahrhaftigkeit, Muster und Zusammenhänge tragen weiter als der einzelne Gag. Kurz: Sei spezifisch, nicht lustig.
Spiel die Wahrheit der Situation, die Komik findet dich.
7. Handle, statt zu erklären
Nicht zehn Sätze darüber reden, dass gleich der Drache bekämpft wird. Zieh das Schwert. Beziehungen, Orte und Tätigkeiten werden durch konkretes Verhalten sichtbar.
Spiel es, statt davon zu erzählen.
8. Nimm Beziehungen wichtiger als Handlung
„Wir müssen die Bombe entschärfen" ist eine Situation. „Ich muss mit meinem Vater die Bombe entschärfen, nachdem wir zehn Jahre nicht miteinander gesprochen haben" ist eine Szene.
Nicht: Was passiert? Sondern: Was bedeutet es zwischen uns?
9. Erkenne das Besondere und entwickle es weiter
Wenn etwas Interessantes passiert, renn nicht zur nächsten Idee. Wiederhole, variiere, steigere. Ein zufälliges Detail wird durch Wiederaufnahme zum Muster und damit zur Struktur der Szene.
Eine gute Entdeckung ist wertvoller als zehn neue Ideen.
10. Spiel
Vielleicht das wichtigste Prinzip und dasjenige, das beim reinen „Yes, and"-Training leicht verloren geht. Improvisation ist weniger eine Methode zum Erfinden origineller Dinge als ein Zustand gemeinsamen Spiels.
Hör auf, gutes Impro machen zu wollen. Spiel.
Wenn es nur drei sein dürfen
- Nimm wahr.
- Akzeptiere und unterstütze.
- Spiel mit dem, was daraus entsteht.
Fast alles andere lässt sich daraus ableiten: Zuhören, Präsenz, Fehlerfreundlichkeit, Beziehung, Muster, Status und Ensemblegeist. Und fast alles davon ist im Meeting genauso nützlich wie auf der Bühne.
Die drei großen Linien des Improvisationstheaters
Viola Spolin
Begründerin der Theater Games. Ihr Buch Improvisation for the Theater gilt als Grundlagenwerk. Zentral sind Spiel, Fokus, Wahrnehmung, Körperlichkeit und Intuition.
Keith Johnstone
Erforscher von Status und Spontaneität. Sein Klassiker Impro behandelt Status, Blocken und Akzeptieren, Storytelling sowie Masken und Trance.
Del Close und Charna Halpern
Die Chicagoer Longform-Tradition. Aus ihrer Arbeit entstand der Harold. Truth in Comedy betont Agreement, Group Mind, Vertrauen und Mustererkennung.
„Yes, and" allein ist noch keine vollständige Improvisationsphilosophie. Spolins Ansatz geht deutlich weiter in Richtung unmittelbarer Wahrnehmung, gemeinsamer Aufmerksamkeit und intuitiver Verbindung.